Luftakrobaten

Beschwerlich war der Anstieg über einen steilen Rücken,
erschöpft lässt sich der Wanderer am Gipfel nieder,
trotz großer Mühen lockt ihn diese Aussicht immer wieder,
er kann die Sehnsucht nach dem Gipfelglück nicht lange unterdrücken.

Jetzt lässt er sich die mitgebrachte Brotzeit schmecken,
schon kündigt ihm ein altbekannter Gast sein Kommen an,
umkreist in weiten, eleganten Bögen nun den Mann,
die ungewohnten Köstlichkeiten sind es, die sein Interesse wecken.

Er führt ein hartes Leben auf den sturmumtosten Höhen,
mit großen Schwierigkeiten ist die Nahrungssuche oft verbunden,
dank seiner Zähigkeit hat dieser Vogel seine Heimat hier gefunden,
mit großem Können trotzt er noch den schärfsten Böen.

Der Wanderer ist gern bereit, von seinen Köstlichkeiten abzugeben,
von seinem dick belegten Wurstbrot wirft er ab und zu
dem schwarz berockten Vogel einen kleinen Bissen zu,
der elegante Flieger greift nicht einmal nur daneben.

Im Flug fängt er die heiß begehrten Leckerbissen auf,
kann in der Luft ganz unvermittelt stillestehen,
im nächsten Augenblick kann man ihn fallen oder steigen sehen,
er führt beschwingte Tänze in der Luftarena auf.

Inzwischen sind die Artgenossen eingetroffen,
um ihren Anteil an dem Festmahl zu erhaschen,
vom Brot, der Wurst, den Keksen auch zu naschen,
den letzten Dohlen bleibt nur noch ein schwaches Hoffen.

© Reinhard Schmidt
 

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