Kosmische Bindungsgier

  Im jugendlichen Weltall lodern Riesenflammen,
  mit Feuereifer schüren sie den Weltenbrand,
  zu Helium fügen sie den Wasserstoff zusammen,
  die schweren Elemente sammeln sich am Rand.

  Dort trennen sie sich von der Höllenglut
  und formen schwere, endlich feste Bälle,
  entfliehen jener heißen, blinden Bindungswut
  und setzen kühlen Ordnungssinn an ihre Stelle.

  Auf einem Ball mit schwerem Nickel-Eisen-Kern
  verblüfft ein Element mit schrillen Kapriolen,
  verbindet sich mit Fremdem leidenschaftlich gern,
  zeigt seine zügellose Bindungsgier ganz unverhohlen.

  Als Kinder seiner abenteuerlichen Eskapaden
  hat Kohlenstoff die Lebewesen bald hervorgebracht,
  damit auch sie im Meer der Leidenschaften baden,
  bis sie versinken in die bindungslose Nacht.

  © Reinhard Schmidt
 

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