Gespräch über Gott: Das Problem der Theodizee

Reinhard Schmidt im Gespräch
mit einem strenggläubigen Christen
und einem religionskritischen Skeptiker


"In den gewaltigen Dimensionen des Universums,
aber auch im winzigen Mikrokosmos
werden Allmacht und Herrlichkeit Gottes offenbar.
Die Wunder der Natur zeugen von seiner Größe."

"Lass mich bloß mit diesem allmächtigen Gott zufrieden!
Was muss das für ein Gott sein,
der für die natürliche Evolution und  Selektion verantwortlich ist
und damit auch für Leid, Schmerz und Tod.
An einen solchen Gott kann und will ich nicht glauben!"

"Das ist ja interessant. Du bist also ein Gottesleugner,
ein ganz übler Atheist.
Das hätte ich wirklich nicht von dir gedacht.
Glaubst du denn tatsächlich,
dass sich das Universum von alleine organisieren und entwickeln konnte?"

"Durchaus möglich."

"Das wird ja immer schöner. Du bist ein bedauernswerter Mensch.
Dir bleibt doch nur der Nihilismus."

"Warum denn? Ich glaube an Jesus Christus!"

"Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr."

"In Jesus Christus hat sich der Gott der barmherzigen Liebe offenbart,
dessen Reich nicht von dieser Welt ist,
der also nichts mit natürlicher Evolution und Selektion zu tun hat.
An diesen Gott der barmherzigen Liebe kann und will ich glauben!"

"Du leugnest aber die Allmacht Gottes!"

"Keineswegs."

"Dann habe ich mich wohl verhört?"

 "Natürlich kommt es darauf an, was man unter Allmacht versteht.
Allmacht im landläufigen Sinn
stellt nämlich einen Widerspruch in sich selbst dar.
Wenn Gott in diesem Sinne allmächtig wäre,
müsste er ja einen Stein erschaffen können,
der so schwer wäre, dass er ihn nicht tragen könnte.
Dann wäre er aber nicht mehr allmächtig.
Aus dieser Überlegung folgt,
dass mit göttlicher Allmacht etwas anderes gemeint sein muss.
Außerdem hat das landläufige Verständnis von Allmacht
das Problem der Theodizee zur Folge.
Wenn Gott in diesem Sinne allmächtig und gleichzeitig die Liebe ist,
darf es eigentlich Leid, Schmerz und Tod nicht mehr geben,
weil ein Wink genügt,
um alles Elend zu beenden.
Das auf unserer Erde herrschende Elend
führt dann ganz zwangsläufig zur Frage,
ob Gott wirklich die Liebe ist,
wenn er Leid, Schmerz und Tod zulässt.
Begriffslogik und Theodizee-Problem zeigen also deutlich,
dass unter Allmacht etwas anderes zu verstehen ist.
Allmacht Gottes bedeutet,
dass er mit hundertprozentiger Sicherheit
den Sieg im Kampf gegen das Böse erringen wird.
Seit gottfeindliche Mächte
die Herrschaft über die Welt an sich gerissen haben,
tobt ein gewaltiger Kampf zwischen ihnen und Gott.
Wir Christen können mitten im Kampfgetümmel die Siegesfahne hissen,
weil Gott allmächtig ist und deshalb ganz gewiss siegen wird.
Wenn wir Allmacht in diesem Sinne verstehen,
gehört das Theodizee-Problem der Vergangenheit an
und wir können voll Freude und Zuversicht
an den barmherzigen Gott der Liebe glauben,
dessen Sieg über das Böse
aufgrund seiner Allmacht schon jetzt feststeht."

Ein kritischer Zeitgenosse greift in das Gespräch ein:

"Bist du dir darüber im Klaren,
dass das Problem der Theodizee
zu den großen ungelösten Fragen der Philosophie gehört,
das schon von Immanuel Kant als unlösbar bezeichnet wurde?"

"Lass dich bitte von dem großen Namen nicht so sehr beeindrucken,
dass du selbst darüber das Denken vergisst!
Liefere mir lieber ein Gegenargument!"

"Nun, du hast das Problem der Theodizee,
also der Rechtfertigung Gottes,
durch die Behauptung gelöst, gottfeindliche Mächte
hätten die Herrschaft über die Welt an sich gerissen.
Woher kommen aber diese bösen Mächte?
Wenn Gott sie geschaffen hat,
ist er indirekt doch für das Böse verantwortlich
und das Theodizee-Problem bleibt ungelöst."

"Diese Frage lässt sich mit Hilfe der Bibel beantworten.
Du wirst jetzt sicherlich die Nase rümpfen
und die Bibel als historisch unzuverlässiges Buch ablehnen.
Doch du brauchst nicht zu befürchten,
dass ich die Bibel jetzt in Konkurrenz zu philosophischen
oder gar naturwissenschaftlichen Werken setzen werde.
Im 2. Korintherbrief lesen wir nämlich:
"Der Buchstabe tötet,
aber der Geist macht lebendig."
Bei der biblischen Lektüre
sind wir nicht sklavisch an jedes einzelne Wort gebunden.
In besonderem Maße gilt dies für das Alte Testament,
das am Anfang der göttlichen Heilsgeschichte steht,
als Gottes großer Sieg über die bösen Mächte
durch Christi Auferstehung
noch nicht errungen war.
Entsprechend unscharf bleibt das Gottesbild des Alten Testamentes.
Wenn die Ausrottung besiegter Völker
mit einem Befehl Gottes begründet wird,
zeigt dies nur, welch dichte Schleier
damals noch den Gott der Liebe verbargen.
Je weiter die Heilsgeschichte fortschreitet,
desto klarer tritt die Liebe Gottes in den Vordergrund.
Jesus selbst hat die Bibel in diesem Sinne verstanden.
Wenn zum Beispiel die strengen biblischen Sabbatgebote
mit der Nächstenliebe in Konflikt gerieten,
entschied sich Jesus ohne zu zögern für die Nächstenliebe
und missachtete das biblische Gesetz,
was ihm die erbitterte Feindschaft gesetzestreuer Juden einbrachte.
In gleicher Weise verhielt sich Jesus,
als ihm eine Ehebrecherin vorgeführt wurde.
Obwohl das biblische Gesetz die Steinigung verlangte,
antwortete er den Anklägern mit dem wahrhaftig entwaffnenden Satz:
"Wer unter euch ohne Sünde ist,
der werfe den ersten Stein auf sie."
Verunsichert verließ ein Ankläger nach dem anderen den Ort des Geschehens.
Die Bibel ist weder Gesetzbuch noch historisches Protokoll,
sondern sie spiegelt den Kampf Gottes gegen die bösen Mächte wider,
die unsere Welt noch beherrschen.
Nicht wissenschaftliche Akribie
erschließt den Sinn des biblischen Wortes,
sondern der Geist Gottes.
Wenn es einen unauflösbaren Widerspruch
zwischen dem Wortlaut der Bibel
und dem Wesen des barmherzigen Gottes der Liebe gibt,
muss der biblische Wortlaut
gegenüber der Liebe Gottes zurücktreten.
Eine statische, auf jedes einzelne Wort fixierte Betrachtungsweise
wird der biblischen Botschaft nicht gerecht.
Vielmehr verlangt die Bibel eine dynamische Auslegung
im heilsgeschichtlichen Zusammenhang.
Die Trennung des Menschen von Gott ist so vollständig,
dass wir nicht einmal seine Existenz beweisen können,
sondern auf den Glauben angewiesen sind.
Trotz dieser absoluten Gottesferne
ist Gott auf unserer Erde stets gegenwärtig und wirksam.
Der scheinbare Widerspruch dieser Aussage löst sich auf,
wenn wir bedenken, in welcher Form Gott anwesend ist.
Es ist sein Geist, also der Heilige Geist,
der die von Gott abgefallene Schöpfung nie verlassen hat.
Die Anwesenheit des Heiligen Geistes
erklärt die Wirksamkeit des Gebets
und die vielfach bezeugten Gebetserhörungen.
Wer sich dem Heiligen Geist in Demut
und im Bewusstsein der eigenen Unvollkommenheit nähert,
kann bereits auf dieser Erde mit Gott in Verbindung treten.
Wenn unsere Gebete jedoch nicht erhört werden,
sollten wir uns daran erinnern,
dass wir auf Gottes endgültigen Sieg über das Böse
noch warten müssen,
weshalb Leid, Schmerz und Tod
nach wie vor unser Leben bestimmen."

"Ist es denn wünschenswert, mit einem Gott in Verbindung zu treten,
der wenigstens indirekt für das Böse verantwortlich ist?
Oder kannst du das Böse mit Hilfe der Bibel erklären?"

"Aus dem biblischen Wort geht hervor,
dass Gott neben der sichtbaren
auch eine unsichtbare Welt erschaffen hat,
zu der die Engel gehören,
die in der Bibel eine wichtige Rolle spielen.
Weiter erfahren wir, dass ein mächtiges Wesen
aus dieser für den menschlichen Verstand unzugänglichen Dimension
gegen Gott rebellierte
und die Herrschaft über die Welt, in der wir Menschen leben,
an sich riss.
Dadurch stürzte dieses Wesen,
das im Evangelium des Johannes
als 'Fürst dieser Welt' bezeichnet wird,
unsere Welt in tiefes Elend.
Gott hatte kein böses Wesen erschaffen,
sondern in seiner grenzenlosen Liebe
eine Kreatur mit vollkommener Willensfreiheit.
Deshalb können wir Gott nicht für die Bosheit dieses Geschöpfes
verantwortlich machen,
es sei denn,
wir werfen Gott seine grenzenlose Liebe vor.
Im ersten Johannesbrief erfahren wir sogar,
dass Gott nicht nur liebt,
sondern die Liebe selbst ist."

 "Wann soll denn die Machtübernahme des Bösen stattgefunden haben?
Vielleicht erst vor einigen tausend Jahren,
wie es bibeltreue Kreationisten behaupten?
Wenn man sich jedoch vergegenwärtigt,
dass schon bei den Dinosauriern vor 100 Millionen Jahren
das Prinzip von Fressen und Gefressenwerden galt,
muss sie früher stattgefunden haben.
Geschah es dann vielleicht in der Karbonzeit vor 300 Millionen Jahren,
als die Wälder wuchsen, aus denen unsere Steinkohle entstand?
Das ist auch nicht möglich,
weil der Tod damals die Tierwelt genauso regierte wie heute.
Seit seiner Entstehung wird das Leben vom Tod bedroht.
Du siehst also, dass natürliche Auslese und Tod
von Anfang an notwendige Bestandteile des Lebens waren,
welche die Weiter- und Höherentwicklung
der Lebewesen erst ermöglichten.
Die biblische Lehre vom Sündenfall,
die deiner Behauptung,
böse Mächte hätten die Herrschaft über unsere Welt an sich gerissen,
zugrunde liegt,
ist aufgrund der modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse
nicht mehr haltbar."

"Da muss ich dir aber ganz entschieden widersprechen!
In Gottes ursprünglicher, vollkommener Schöpfung
galten unsere Naturgesetze nicht.
Nicht Kampf und Tod, sondern Frieden und Freude
sorgten für die Höherentwicklung des Lebens.
Als gottfeindliche Mächte die Herrschaft an sich rissen,
zwangen sie unsere Welt mit ihren Lebewesen
einschließlich der Menschen
unter das Joch der Naturgesetze.
Mit einem Schlag wurden sowohl Gegenwart
als auch Vergangenheit
tiefgreifend verändert.
Dieses katastrophale Ereignis
dürfte vor einigen tausend Jahren stattgefunden haben.
Eine genaue zeitliche Festlegung ist nicht möglich,
weil damals ein Stück aus der übernatürlichen Welt herausbrach
und zu unserer natürlichen Welt mutierte -
ein Vorgang, der sich der naturwissenschaftlichen Forschung entzieht,
da diese nur Aussagen über die natürliche Welt erlaubt,
während ihr alles Übernatürliche verschlossen bleibt.
Die erdgeschichtliche Vergangenheit,
die von den Geowissenschaften
vor allem mit Hilfe fossiler Zeugnisse im Gestein rekonstruiert wird,
erfuhr durch die Machtergreifung des Bösen
einen grundlegenden Wandel.
Dabei wurde die Vergangenheit
rückwirkend im Sinne der Naturgesetze verändert.
Millionen Jahre alte Fossilien
bezeugen nicht die Geschichte von Gottes Schöpfung,
sondern die nachträglich entstandene Geschichte
der von Gott abgefallenen Welt."

"So sieht also die moderne christliche Interpretation
des biblischen Sündenfalles aus.
Dann stellt sich aber die Frage,
welche Bereiche des Universums
von der satanischen Machtübernahme betroffen sind.
Ist es vielleicht nur unser Sonnensystem?"

"Die Frage ist sehr leicht zu beantworten.
Überall dort, wo die Naturgesetze gelten,
regieren gottfeindliche Mächte."

"Dann bleibt aber für Gott nicht mehr viel Platz,
weil das gesamte Universum den Naturgesetzen gehorcht."

"Das siehst du falsch.
Gott schuf alles aus dem Nichts.
Sein Werkzeug war einzig und allein die Liebe.
Gesetze waren nicht nötig,
weil in Gottes vollkommener Schöpfung, dem Paradies,
alles von seiner Liebe gelenkt wurde.
Um unsere Welt beherrschen zu können,
mussten die satanischen Mächte die Naturgesetze entwickeln,
weil ihnen die göttliche Liebe fehlte,
die bis dahin die Welt gesteuert hatte.
Die Naturgesetze, zu denen auch Zufall und Wahrscheinlichkeit gehören,
sind also nicht göttlichen, sondern satanischen Ursprungs.
Deine Sorge,
Gott habe keinen Platz mehr in seiner Schöpfung,
weil die Naturgesetze im gesamten Kosmos gelten,
ist unbegründet,
da der Kosmos nur einen Teil der Schöpfung darstellt.
Unserer eng begrenzten menschlichen Erkenntnis
ist die übernatürliche Welt verschlossen.
In genau dieser übernatürlichen Welt gelten aber die Naturgesetze nicht
und die göttliche Liebe regiert uneingeschränkt.
Um unseren Kosmos in Gang zu halten,
traten die Naturgesetze
an die Stelle der göttlichen Liebe und Schöpferkraft.
Satan und seine Engel sind eifrig bemüht,
Gott in jeder Hinsicht nachzuahmen.
So sollen natürliche Evolution und Selektion
die von Gott geplante Höherentwicklung des Lebens sicherstellen.
Der entscheidende Unterschied besteht allerdings darin,
dass Gott diese Entwicklung in Frieden und Freude vorgesehen hatte,
während die gottfeindlichen Mächte dafür Leid, Schmerz und Tod einsetzen.
Das Ergebnis -
die Schönheit der Natur und die Faszination des Lebens -
kann sich durchaus sehen lassen,
wenn man den furchtbaren, blutigen Preis übersieht.
Nachdem die Individuen ihre Pflicht im Evolutionskampf getan
und damit zur Höherentwicklung des Lebens beigetragen haben,
werden sie von den satanischen Mächten achtlos weggeworfen.
Mitleid mit dem einzelnen Lebewesen im Lebens- oder Todeskampf
ist diesen Mächten völlig fremd.
Mit Selbstgerechtigkeit gepaarte Religiosität und Wohlanständigkeit
liegen durchaus in ihrem Sinne.
Optimismus, Lebenslust und Leistungsfreude
sind in Verbindung mit Kampf, Tod und Zerstörung
unabdingbare Voraussetzungen
für die Evolution der menschlichen Gesellschaft.
Als Lohn und Ansporn
halten die gottfeindlichen Mächte
vergängliche Lust und Begierde
für den Einzelnen bereit.
Das Individuum muss also bei Laune gehalten werden,
bis es auf dem Müllhaufen des Todes landet.
Um die Menschen auf seine Seite zu ziehen,
täuscht der Widersacher Gottes diese
über seinen wahren Charakter hinweg.
Listenreich verstellt er sich als Engel des Lichts,
um die Menschen zu verblenden."

"Dann muss er aber vor allem die Christen verblendet haben,
wenn ich an die Hexenverbrennungen,
die gewaltsame Missionierung der Indianer
oder die jahrhundertelangen Judenverfolgungen in Europa denke."

 "Dein Einwand klingt zwar sehr polemisch,
doch muss ich dir leider recht geben.
Wo Gott seine Kirche baut,
stellt der Satan seine Kapelle daneben.
Die Verbreitung des christlichen Glaubens
war zwar ein gottgefälliges Unterfangen,
doch hätte sich die Kirche unbedingt auf die Macht des Wortes
und des Gebetes beschränken müssen.
Stattdessen verließ sie sich auch auf die Werkzeuge des Satans,
nämlich Feuer und Schwert.
Verleumdungen und durch Folter erzwungene Geständnisse
waren an der Tagesordnung.
Es ist erschreckend,
was die von rücksichtsloser Selbstsucht regierte Bestie Mensch
sogar aus der Kirche Christi machen konnte.
Wieso hat Gott der Menschheit trotz solcher Verbrechen,
die in Sadismus, Geldgier, Sturheit und Feigheit wurzelten,
die Treue gehalten?
Es müssen die Schreie der Gefolterten gewesen sein,
die er nicht vergessen konnte!
Hätte sich Gott von der Welt abgewandt,
wäre die ewige Gottesferne
zu ihrem endgültigen Schicksal geworden.
Den größten Triumph der bösen Mächte
stellt aber die christliche Judenverfolgung dar.
Jahrhundertelang schlug Satan viele Christen
mit einer heute unbegreiflichen Blindheit gegenüber dem Wort Gottes.
Wie konnten die Kirchen
die glühende Liebe des Apostels Paulus zu den Juden übersehen,
die im Römerbrief klar zum Ausdruck kommt?
Jesus und seine Apostel waren keine Römer oder Germanen,
sondern Juden!
Gott wählte das Volk der Juden
für den Beginn seiner Heilsgeschichte aus,
an deren Ende
eine neue Welt ohne Leid, Schmerz und Tod stehen wird.
Nachdem die Toten auferstanden sind,
werden sie über die Schuld erschrecken,
die sie in ihrem vergangenen Leben
in der von Gott abgefallenen Schöpfung
angehäuft haben.
Der Existenzkampf,
dem jedes Geschöpf unterliegt,
führt ganz zwangsläufig
zur Schädigung unserer Mitgeschöpfe
und damit zur Entstehung von Schuld
aller gegenüber allen.
Um in Gottes neuer, vollkommener Welt Aufnahme zu finden,
werden sie den barmherzigen Christus bitten,
ihnen die Schuld zu vergeben."

Der strenggläubige Gesprächspartner wirft ein:

"Die Zusage der Sündenvergebung
gilt doch nur für lebende Menschen vor ihrem Tod.
Tote können ihre Sünden nicht bereuen."

"Nach ihrer Auferstehung sind sie aber wieder in der Lage,
ihre Schuld zu bereuen und um Vergebung zu bitten.
Groß wird die Freude Gottes über jedes Geschöpf sein,
das, vom Schmutz der gefallenen Schöpfung befreit,
in sein ewiges Reich einzieht.
Wer sich aber im Jüngsten Gericht weigert,
seine sündhafte Natur aufzugeben
und ohne das Böse zu leben,
wird das ewige Leben verlieren
und in der Gottesferne enden -
mit anderen Worten: im ewigen Tod,
aus dem es kein Erwachen mehr gibt.
Gott muss sich von solchen Geschöpfen trennen,
weil er sonst eine erneute Machtergreifung des Bösen riskieren würde."

Der kritische Gesprächspartner unterbricht:

"Es erscheint mir recht naiv,
heute noch an die Wiederkunft Christi zu glauben.
Seit zweitausend Jahren
warten die Christen vergeblich auf dieses Ereignis.
Schon die ersten Christen
rechneten fest mit der Wiederkunft noch zu ihren Lebzeiten.
Auch der Apostel Paulus lebte in dieser Naherwartung.
Doch nichts geschah."

"Offensichtlich verzögert sich die Wiederkunft Christi,
weil der Widerstand Satans noch nicht gebrochen ist.
Zwar wurde durch Christi Tod und Auferstehung
der entscheidende Sieg über den Satan errungen,
doch erweist sich das wütende Aufbäumen des besiegten Tyrannen
gegen seine Niederlage
als dramatischer und langwieriger Endkampf
mit erbitterten Angriffen gegen die Gemeinde Gottes.
Zunächst sollten die blutigen Christenverfolgungen die Gemeinde ausrotten.
Nachdem dieser Versuch fehlgeschlagen war,
schenkte der Widersacher Gottes der Kirche weltliche Macht im Überfluss.
Wenn man die zahlreichen Verbrechen betrachtet,
die im Laufe der Kirchengeschichte begangen wurden,
wird der Erfolg dieser satanischen Strategie
in erschreckender Weise deutlich.
Es hat sehr lange gedauert,
bis die Christen ihre fürchterlichen Verirrungen eingesehen haben.
Heute verdrängt ein hemmungsloser Materialismus
mehr und mehr den christlichen Glauben.
Um die brutale Christenverfolgung in Asien und Afrika
kümmert man sich kaum.
Christliche Solidarität wird zunehmend zum Fremdwort.
Ein wichtiger Grund für die wachsende Ablehnung des Glaubens
ist die Unfähigkeit  der Christen,
überzeugende Antworten auf drängende Glaubensfragen zu geben.
Wenn zum Beispiel die Theodizee-Frage unbeantwortet bleibt,
braucht man sich nicht zu wundern,
dass die christliche Botschaft insgesamt unglaubwürdig erscheint.
Ein Gott, der offensichtlich für Leid, Schmerz und Tod verantwortlich ist,
zieht entweder bittere Vorwürfe auf sich
oder wird als bloßes Hirngespinst abgetan.
Deshalb müssen die passenden Antworten bekannt gemacht werden,
damit der moderne Mensch,
von quälenden Zweifeln befreit,
die Hoffnung auf eine neue Schöpfung
ohne Leid, Schmerz und Tod
wiederfinden kann."

© Reinhard Schmidt
 

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